Viele adoptionswillige Paare können keine Familie gründen

Schweizerische Tagung zur internationalen Adoption

Medienmitteilungen, BJ, 11.09.2008

Bern. Zahlreiche kinderlose Paare können in der Schweiz trotz Eignung zur Adoption kein Kind adoptieren, um auf diesem Weg eine Familie zu gründen. Die Zahl der Adoptionsabklärungen überstieg letztes Jahr die Zahl der adoptierten Kinder um das Dreifache, wie am Donnerstag in Basel an der Schweizerischen Tagung zur internationalen Adoption bekannt gegeben wurde. Die Vertreter von kantonalen Behörden und Adoptionsvermittlungsstellen befassten sich an der Tagung mit der Professionalisierung der Adoptionsstrukturen.

Seit 2005 sind die internationalen Adoptionen - entsprechend dem internationalen Trend - auch in der Schweiz stark rückläufig. Vielen Herkunftsstaaten gelingt es heute, die Kinder bei Familien im eigenen Land unterzubringen, sei es mit einer Platzierung oder einer nationalen Adoption. Während im Jahr 2004 in der Schweiz noch 557 Kinder aus dem Ausland adoptiert wurden, waren es letztes Jahr nur noch 299 Kinder. Die meisten Kinder stammten aus Äthiopien, Thailand, Indien, Kolumbien und Russland. Zudem wurden letztes Jahr 21 Kinder für nationale Adoptionen freigegeben. Gleichzeitig verfügten schätzungsweise 1000 Paare oder Einzelpersonen über eine provisorische Pflegeplatzbewilligung im Hinblick auf eine Adoption. Damit blieb für zwei Drittel der Gesuchsteller der Kinderwunsch trotz Eignung ein Wunschtraum.

Besserer Schutz vor Missbräuchen

Mit dieser zunehmenden Diskrepanz zwischen Angebot und Nachfrage steigt die Gefahr von Missbräuchen zum Schaden der Kinder und leiblichen Eltern. Dieser Gefahr beugt das Haager Adoptionsübereinkommen vor, das für die Schweiz am 1. Januar 2003 in Kraft getreten ist. Das Übereinkommen institutionalisiert die Zusammenarbeit zwischen den Behörden der Herkunfts- und Aufnahmestaaten. Insbesondere teilen sich Herkunfts- und Aufnahmestaat die Abklärungen, ob Kind und Adoptiveltern für die Adoption geeignet sind. Zur Platzierung eines Kindes kommt es nur, wenn beide Staaten ihr Einverständnis geben (Matching-Entscheid). Das Haager Übereinkommen hat zu einer vertieften Zusammenarbeit zwischen der Zentralen Behörde im Bundesamt für Justiz (BJ), den Zentralen Behörden in den Kantonen und den Adoptionsvermittlungsstellen geführt.

Bei internationalen Adoptionen ausserhalb des Haager Adoptionsübereinkommens besteht diese institutionalisierte Zusammenarbeit nicht. Den Zentralen Behörden der Kantone kommt daher eine grosse Verantwortung zu, da sie allfällige Missbräuche erkennen und verhindern müssen. Wichtige Partner sind die Migrationsbehörden, Botschaften, Konsulate und lokale Behörden im Herkunftsstaat.

nach oben Letzte Änderung 11.09.2008

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